Warum ein tiefer Muskel so viel Spannung trägt – der Psoas Muskel
- Martina Sailer

- vor 13 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Kürzlich bin ich über den Satz gestolpert, der Psoas sei der Muskel der Seele. Dabei musste ich kurz schmunzeln. Für mich ist die Seele der Teil in uns, der nicht verletzbar ist und immer mit etwas Größerem verbunden bleibt. Warum sollte sie also in einem einzelnen Muskel sitzen.
Und doch steckt in diesem Satz etwas Wahres. Nicht wörtlich, sondern als Hinweis darauf, wie eng unser Körper – insbesondere der Musculus Psoas Major – mit unserem Nervensystem verbunden ist. Der Körper lügt nicht. Er zeigt.
Der Psoas major – ein zentraler Verbindungsmuskel zwischen Wirbelsäule und Becken

Der Psoas verbindet die Lendenwirbelsäule mit Becken und Beinen. Er stabilisiert, richtet uns auf und ermöglicht Bewegung. Gleichzeitig reagiert er direkt auf Stress: Er spannt sich an, um den Körper auf Schutz oder Handlung vorzubereiten.
Solange sich Spannung wieder lösen kann, bleibt das System flexibel. Wird Anspannung jedoch zum Dauerzustand, kann auch der Psoas in Aktivierung bleiben. Was sich dann zeigt, sind Spannungsmuster im unteren Rücken, im Becken oder in der Beweglichkeit.
Warum sich der Psoas durch Sicherheit löst – nicht durch Dehnung
Dabei geht es nicht um „Emotionen im Muskel“, sondern um ein Nervensystem, das Sicherheit herstellen will. Und genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Der Psoas entspannt sich nicht primär durch Dehnung, sondern durch Sicherheit. Erst wenn der Körper registriert, dass nichts mehr gehalten werden muss, kann er loslassen.
Psychosomatik: Wie der Körper Spannungsmuster speichert
In der psychosomatischen Betrachtung zeigt sich, wie eng innere Prozesse und körperliche Spannung verbunden sind. Der Körper speichert nicht punktuell, sondern in Mustern – und der Psoas ist ein Bereich, in dem sich diese besonders deutlich zeigen.

Ein chronisch angespannter Psoas kann sich auch im Erleben widerspiegeln: als Gefühl, nicht voranzukommen oder innerlich blockiert zu sein. Biomechanisch ist das nachvollziehbar – dieser Muskel ist direkt an Aufrichtung und Vorwärtsbewegung beteiligt.
Das Becken als Zentrum von Stabilität und Sensibilität
Das Becken spielt dabei eine zentrale Rolle. Es steht für Stabilität und gleichzeitig für Sensibilität. Gerade bei Frauen liegt hier oft mehr als nur Funktion – Themen wie Abgrenzung, Verletzlichkeit oder gehaltene Erfahrungen können sich in diesem Bereich zeigen.
Psoas und Yoga: Loslassen in der Happy-Baby-Haltung

Im Yoga wird diese Verbindung erfahrbar. Der Psoas steht in Beziehung zum Zwerchfell, wodurch sich Atmung und Spannung gegenseitig beeinflussen.
Eine Asana, die diesen Bereich besonders anspricht, ist Happy Baby. Spielerisch in der Form, oft tief in der Wirkung. In dieser Position, getragen vom Boden, bekommt der Körper die Information, dass nichts mehr gehalten werden muss. Genau das ermöglicht dem Psoas, Spannung abzugeben – nicht durch Dehnung, sondern durch Loslassen.
Wenn sich Spannung löst, kann das auch emotional spürbar werden. Nicht mystisch, sondern als natürliche Reaktion eines Nervensystems, das sich reguliert.
Cranio-Sacrale Arbeit und körperliche Spannungsmuster
Auch in der Cranio-Sacralen Arbeit wird mit dieser Verbindung gearbeitet. Unterschiedliche Ansätze beschreiben hier oft denselben Prozess: Der Körper organisiert sich neu, wenn Sicherheit entsteht.
Meine eigene Erfahrung mit chronischer Rückenspannung
Ich selbst hatte lange Beschwerden im unteren Rücken. Die nachhaltige Veränderung kam erst, als sich innerlich etwas gelöst hat. Mit dieser Veränderung hat sich auch mein Körper verändert. Die Spannung war nicht mehr notwendig – und ist verschwunden.

Für mich liegt genau darin die Bedeutung dieses „Muskel der Seele“-Gedankens. Nicht als wörtliche Wahrheit, sondern als Erfahrung: Der Körper reagiert auf das, was in uns passiert. Und wenn sich innen etwas klärt, beginnt sich auch im Körper etwas neu zu ordnen.
Wenn ein unruhiger Geist den Körper festhält
Vielleicht hast auch du schon bemerkt, wie eng ein unruhiger Geist und die Spannung in deinem Körper miteinander verbunden sind. Solange unser Verstand im Alarmmodus ist und das Gedankenkarussell kreist, kann unser Nervensystem keine Sicherheit empfinden – und der Körper hält an seiner Schutzspannung fest.
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Um diese unbewusste Schleife zu durchbrechen, habe ich ein Erste-Hilfe-Tool entwickelt: Den 4-Schritte-Anker.
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