top of page
Martina Sailer LOGO Cranio Sacral Therapie & Psychosoziale Beratung

Immer im Machen, nie im Sein: Warum Erschöpfung bei Frauen oft übersehen wird – und was C.G. Jung darüber wusste

Aktualisiert: 11. Aug.

Nachdenkliche Frau mit Afro sitzt barfuß im Fensterrahmen einer Altbauwohnung in beigem Outfit.

Kaum ist Feierabend, läuft in deinem Kopf schon der Plan fürs Wochenende: Einkauf, Kinder, Termine, das Geburtstagsgeschenk für die Schwiegermutter. Du funktionierst. Du organisierst. Und trotzdem spürst du tief in dir eine leise Sehnsucht danach, einfach nur einmal loszulassen und gar nichts zu müssen.


Hast du dich schon einmal gefragt, warum du dich am Ende des Tages so leer und erschöpft fühlst – obwohl du doch „nur" deinen ganz normalen Alltag gelebt hast? Im Job bist du die Macherin: Du strukturierst, entscheidest, löst Probleme. Und kaum bist du zu Hause, geht es nahtlos weiter – nur heißt die Macherin dort Familienmanagerin oder Beziehungsmanagerin. Einkauf, Termine, Kinder, das Geschenk, das keiner vergessen darf.


Du willst dich eigentlich nur kurz hinsetzen und einmal tief durchatmen, schaffst es aber nicht – weil in dir noch alles auf „Tun" steht und du erst Ruhe findest, wenn wirklich alles erledigt ist. Und wenn dann endlich alles erledigt ist, ist es so spät, dass du nur noch totmüde ins Bett fällst.


Das ist keine Willensschwäche und kein Charakterfehler. Es ist ein Nervensystem, das verlernt hat, wie sich Ankommen anfühlt.


Der berühmte Schweizer Psychiater C.G. Jung hatte für dieses Gefühl eine Erklärung, die ich bis heute absolut zeitlos finde. Er ging davon aus, dass die menschliche Psyche kein starres Konstrukt ist, sondern aus verschiedenen archetypischen Kräften besteht. Eine seiner schönsten Erkenntnisse: Jede Frau trägt einen männlichen Anteil in sich – den Animus – und jeder Mann trägt einen weiblichen Anteil in sich – die Anima. Diesen unbewussten Gegenpol nannte Jung den kontrasexuellen Archetyp: die verborgene innere Kraft, die unsere bewusste Seite ergänzt und ausbalanciert.

Wirkliche Ganzheit und tiefen inneren Frieden finden wir erst dann, wenn beide Kräfte in uns gleichberechtigt nebeneinander existieren und im harmonischen Austausch miteinander tanzen dürfen.


Was bedeuten „männlich" und „weiblich" eigentlich?


Bevor wir tiefer einsteigen, ist es mir wichtig, eines ganz klar zu sagen: Wenn wir in der Psychologie von „männlich" und „weiblich" sprechen, hat das absolut nichts mit dem biologischen Geschlecht, mit sexueller Orientierung oder mit veralteten Rollenbildern zu tun. Es geht um universelle, energetische Urprinzipien, die in jedem von uns wirken, den Archetypen – ganz gleich, welches Geschlecht wir haben. Jung hat lediglich dem jeweils unbewussten, gegengeschlechtlichen Anteil einen Namen gegeben: bei der Frau den Animus, beim Mann die Anima.


Zwei oben ohne liegende Personen, Frau mit roten Lippen und Mann, nebeneinander auf dunklem Hintergrund, ernst und ruhig.

Das männliche Prinzip (Animus): Es steht für Fokus, Struktur, Logik, das Setzen von klaren Grenzen, das Erschaffen im Außen und das aktive Handeln – das bewusste „Tun".


Das weibliche Prinzip (Anima): Es steht für Intuition, Fluss, Hingabe, tiefe Verbundenheit, Gefühle, das Heilen im Innen und das weiche „Sein".


Wir alle brauchen beides. Kein Prinzip ist besser als das andere – und keines ist an ein bestimmtes Geschlecht gebunden. Spannend wird es erst dann, wenn du keinen Zugang zu deiner Anima findest oder dein Animus nie Pause macht.


Hat dich das berührt? Einmal die Woche, immer mittwochs, ein stiller Moment für dich.



Die Doppelschicht: Wenn der Animus keinen Feierabend macht


In unserer modernen Welt ist es für viele Frauen ein Leichtes geworden, die männliche Seite zu leben. Wir verdienen unser eigenes Geld, stehen mutig für uns ein, treffen eigenständige Entscheidungen und behaupten uns erfolgreich in Berufen, die früher reine Männerdomänen waren. Diese Kraft bringt uns in die Umsetzung, macht uns unabhängig und stark. Wir haben uns aus alten Abhängigkeiten heraus bewegt – und das ist etwas Wunderbares.


Doch genau hier entsteht eine Belastung, die ich bei mir selbst und in meiner Praxis immer wieder beobachte: Wir leben das männliche Prinzip heute oft nicht nur einmal, sondern zweimal hintereinander. Erst im Job als Macherin – und kaum sind wir daheim, geht es nahtlos weiter, nur heißt die Rolle dort Familien- oder Beziehungsmanagerin.


Wenn du im Job den ganzen Tag deine männliche Seite lebst – dich durchsetzt, vielleicht sogar ein Team leitest, Probleme löst und organisierst –, dann läuft dieses Programm nach Feierabend oft unbewusst weiter. Du nimmst die Macherin mit nach Hause und planst im schlimmsten Fall auch noch das gesamte Wochenende für Partner, Kinder, Freunde und Familie durch.

Und genau das ist der eigentliche Grund, warum das Zurückfinden ins Weibliche so schwer geworden ist: Es gibt schlicht kein Zeitfenster mehr, in dem das „Tun" einmal aufhört. Kein Wunder, dass sich das wie eine leise, chronische Erschöpfung anfühlt – oft, ohne dass du überhaupt merkst, wie sehr du dich eigentlich danach sehnst, alles einfach „nur laufen zu lassen".


Wie du bewusst wieder in deine weibliche Energie findest um Erschöpfung loszulassen


Blonde Frau liest entspannt auf dem Sofa mit hochgelegten Beinen vor Bücherregal.

Weiblichkeit zu leben bedeutet, aus dem Machen ins Annehmen und ins Nichts-Tun zu kommen. Es bedeutet, nicht sofort für alles einen Plan zu haben, sondern auch mal loszulassen und darauf zu vertrauen, dass sich alles in seinem eigenen Tempo entfalten wird.

Wenn du merkst, dass du im Dauer-Aktivitätsmodus feststeckst, helfen dir diese einfachen, aber kraftvollen Schritte, um deine weibliche, empfangende Energie wieder einzuladen:


  1. Gib dir die Erlaubnis, dass nicht alles perfekt sein muss. Bevor du überhaupt zur Ruhe kommen kannst, braucht es oft nur eines: die Erlaubnis, gerade nicht zu funktionieren. Leg dich für ein paar Minuten hin und atme durch – auch wenn die Wäsche noch im Korb liegt. Der Geschirrspüler darf unausgeräumt bleiben. Das Bett muss nicht gemacht sein. Nichts davon macht dich zu einer schlechteren Mutter, Partnerin oder Frau. Es macht dich nur zu einer, die auch für sich selbst da ist.


  2. Langsames Spazierengehen in der Natur. Geh ohne Ziel. Lass das Handy in der Tasche, schlendere und nimm die Umgebung mit all deinen Sinnen wahr.


  3. Bewusstes Nichts-Tun. Leg dich ganz entspannt auf deinen Lieblingsplatz in deiner Wohnung, schließe die Augen und tu für einen Moment einfach absolut gar nichts.


  4. Bewusstes, tiefes Atmen. Schenke dir im Alltag immer wieder bewusste Atempausen. Spüre, wie dein Atem fließt, komm über das Atmen wieder ganz in deinem Körper an und erlaube dir, ins Spüren zu kommen.


  5. „Alles laufen lassen". Plane für das Wochenende bewusst ein paar Stunden – oder einen ganzen Tag – überhaupt nichts. Lass dich treiben und schau einfach im Moment, wonach dir gerade ist.


Und noch etwas – vielleicht das Schwerste von allem: Lass dir helfen!!!


Zwei Hände greifen einander vor blauem Himmel, von unten fotografiert, mit hoffnungsvoller Stimmung.

Vielleicht kennst du den Gedanken „Bis ich das erklärt habe, hab ich's dreimal selbst gemacht." Oder das leise „Wenn ich es nicht selbst mache, wird es nicht richtig gemacht." Diese Gedanken sind so verständlich – und sie sind reinstes „Tun": Kontrolle, Verantwortung, alles selbst stemmen.


Deinen Partner, deine Kinder oder deine Freunde um Hilfe zu bitten und dann auszuhalten, dass die Spülmaschine vielleicht anders eingeräumt wird als bei dir, ist deshalb keine Kleinigkeit. Es ist eine der weiblichsten Übungen überhaupt. Denn Hilfe anzunehmen bedeutet: empfangen statt kontrollieren, vertrauen statt alles selbst tragen, loslassen statt festhalten. Du aktivierst damit genau deine Weiblichkeit, die im Dauer-Machen so oft verstummt.


Die unentdeckte Kraft: Wenn die Anima Angst macht


Schauen wir uns die andere Seite dazu auch noch an. Während viele Frauen gelernt haben, sich den männlichen Anteil ganz selbstverständlich zu erobern, ist es für viele Männer nach wie vor ungleich schwerer, in Kontakt mit ihrem weiblichen Anteil – ihrer Anima – zu kommen.

Sich der eigenen Gefühlswelt zu öffnen, verletzlich zu sein oder überhaupt intensive Emotionen zu zeigen, wird von Teilen unserer Gesellschaft immer noch als Schwäche abgetan. Aus Angst, als „unmännlich" zu gelten, wird die eigene Weichheit oft tief im Keller der Psyche weggesperrt. Und dort, im Verborgenen, kostet sie unglaublich viel Kraft.


Nachdenklicher Mann sitzt auf braunem Ledersofa und hält sich die Stirn, in dunklem Raum mit blauer Wand.

Vielleicht liest gerade doch ein Mann mit. Dann ist die nächste Botschaft für dich – und sie liegt mir wirklich am Herzen:

Wenn du deine Gefühle zeigst oder zugibst, dass du gerade nicht weiterweißt, ist das kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil. Es braucht echten Mut, sich den eigenen Themen, Schatten und Ängsten zu stellen und sie offen auszusprechen. Genau dieser Mut schafft etwas, wonach wir uns alle sehnen: echte, tiefe Verbindung auf Augenhöhe – in der Partnerschaft, in Freundschaften, in der Familie. Verletzlichkeit trennt uns nicht von den Menschen, die uns wichtig sind. Sie bringt uns ihnen näher.


Lass deine Anteile nach Hause kommen


Ob du lernen darfst, dich wieder weich in dein „Sein" fallen zu lassen, oder ob du den Mut finden möchtest, deinen verletzlichen Gefühlen Raum zu geben: Am Ende geht es immer um dasselbe – um Integration.


Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Anteile sind wertvolle Bewohner einer jeden Psyche. Sie müssen nicht gegeneinander kämpfen. Sie dürfen sich an die Hand nehmen.

Genau hier setzt meine Arbeit an. Ich begleite dich dabei, all diesen inneren Anteilen einen sicheren Ort zu schenken, an dem sie einfach sein dürfen – in deinem ganz persönlichen, tiefen inneren Frieden. Über die Technik des Focusing lernst du, deine Anteile nicht länger zu bekämpfen oder wegzudrücken, sondern ihnen wirklich zuzuhören. Und genau in diesem Zuhören liegt die Transformation.


Egal, welche Kraft in dir gerade nach Aufmerksamkeit ruft: Erlaube dir, still zu werden und hinzuhören. Sie wartet schon lange darauf, von dir nach Hause geholt zu werden.


Wie du diesen liebevollen Zugang zu deinen inneren Anteilen ganz konkret findest – über geführte Meditationen und die Kraft des Focusing – zeige ich dir in meinem Online-Kurs „Zwischen Wahrheit und Kopfkino". Und wenn du deinen Weg lieber persönlich und im geschützten Rahmen gehen möchtest, begleite ich dich sehr gern in einer 1:1 Session. Schau dich einfach unten um – dort findest du mögliche Wege.


Zur Terminanfrage geht es hier entlang.



Frau mit geschlossenen Augen im Sonnenlicht vor unscharfem tropischem Grün, ruhig und entspannt.

Newsletter abonnieren &

4-Schritte-Anker gratis erhalten


Mein Erste-Hilfe-Tool für Stressmomente, gratis als PDF in dein Postfach.



Person meditiert neben einem Laptop auf dem Bett, Arm entspannt, warme Sonnenstimmung und eine Tasse im Vordergrund.

Der Online-Kurs für deine nachhaltige Veränderung


In fünf Modulen raus aus deinem Gedankenkarussell.


E-Reader mit geöffnetem Buch unter einer Brille auf hellem Tisch, unscharf; sichtbarer Lesetext, ruhige Szene.

Mein Buch "Zwischen Wahrheit und Kopfkino"


Wie du deine Gedanken durchschaust und innerlich frei wirst.



Kommentare


martina sailer
Kontaktieren

Resselgasse 17,

8020 Graz

 

0664 3256980

Termine nach Vereinbarung

Öffnungszeiten

DI  09:00-19:00 Uhr

Mi  09:00-19:00 Uhr

DO 09:00-19:00 Uhr

FR nur auf Anfrage

  • Pinterest Martina Sailer
  • Instagram-Account Symbol für Martina Sailers Therapie in Graz

© 2026 Martina Sailer

Wähle deinen bevorzugten Wunschzeitraum Pflichtfeld
Wähle dein Anliegen/Interessensgebiet Pflichtfeld

Danke für die Nachricht - Ich melde mich umgehend! Solltest du nach 3 Tagen keine Antwort erhalten bitte ich um telefonische Kontaktaufnahme!

bottom of page