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Martina Sailer LOGO Cranio Sacral Therapie & Psychosoziale Beratung

Warum unaufgelöstes Trauma unbewusst Drama in der Beziehung inszeniert – und wie du den Schmerzkörper heilst

vor 3 Tagen
7 Min. Lesezeit
Junge Frau im weiß gestreiften Shirt liegt auf Sand und hält die Hand vor das Gesicht, sonnige, ruhige Stimmung.

Ich habe mir letzte Woche ein paar alte Folgen von Sex and the City angeschaut. Die Serie ging 1998 an den Start, um 2000 herum lief sie dann bei mir und meinen Freundinnen in Dauerschleife – das ist mittlerweile über 25 Jahre her.

Dazwischen gab es eine lange Phase, in der ich die Serie nicht ansehen konnte. Als Single hat sie zu sehr an allem gekratzt, was gerade offen war: das Warten auf eine Nachricht, das Deuten von Halbsätzen, dieses ständige Abwägen, ob man zu viel will oder zu wenig bekommt. Heute schaue ich dasselbe und sehe etwas anderes.

Beim Zuschauen ist mir aufgefallen, wie vertraut uns diese Dynamiken zwischen Carrie und Mr. Big heute immer noch sind: Sie wünscht sich Verbindlichkeit und Sicherheit; er braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen, und kommuniziert das auch, langsam aber doch. Als er schließlich einen konkreten Schritt auf sie zugeht und sie zu einem gemeinsamen Urlaub einlädt, zieht sie die Reißleine – weil es sich für sie in diesem Moment nach „zu wenig" anfühlt.

Heute würde man das wohl als „Situationship" abstempeln. Doch wenn wir ehrlich hinsehen, geht es selten um einen Schuldigen. Beide Seiten handeln aus ihren eigenen Schutzmustern: Auf der einen Seite steht das Bedürfnis nach Verlässlichkeit und Klarheit, auf der anderen das Bedürfnis nach Raum und Zeit.


Frau steht nachdenklich in der Mitte von zwei Männern die mit dem Rücken zu ihr stehen.

Und dann gab es noch Aidan: Er bot ihr genau die Verbindlichkeit, Ruhe und emotionale Sicherheit, nach der sie sich immer gesehnt hatte. Doch sie hielt diese Stabilität schlichtweg nicht aus. Stattdessen entschied sie sich unbewusst wieder für das Drama – und betrog Aidan ausgerechnet mit Big. Ein klassisches Drama-Re-Enactment: Wenn das eigene Nervensystem Ruhe als Bedrohung empfindet, wird Stabilität sabotiert, um das vertraute Chaos wiederherzustellen.

Während ich mir Folge für Folge „reinzog" habe ich mir folgende Fragen gestellt: Haben wir heute verlernt, Entwicklung überhaupt noch Raum zu geben? Muss in Zeiten von Dating-Apps und schnellen Urteilen wirklich alles vom ersten Tag an sofort klar sein? Echte Gefühle, emotionale Sicherheit und Vertrauen brauchen Zeit – sie entstehen nicht auf Knopfdruck.


Fast jede Frau hat diesen einen Mann


Das ist etwas, das ich seit Jahren in meiner Praxis beobachte und auch von mir selbst kenne: Fast jede Frau hat im Lauf ihres Lebens diesen einen Mann, der innerlich länger präsent bleibt als alle anderen.

Es ist dieselbe Beziehung, von der ich in meinem letzten Beitrag erzählt habe – die, in der ich dachte, ich wüsste alles besser. Um meine "Geschichte" weiter zu erzählen: Es war auf beiden Seiten Liebe da, dennoch sind wir gescheitert.

Vielleicht kennst du das. Dass du bis heute nicht genau sagen kannst, was eigentlich schief gelaufen ist, weil es ja nicht an fehlenden Gefühlen lag.

Genau deshalb gibt es oft noch so ein kleiner Faden der Verbindung, noch Jahre nach der Trennung. Eine Beziehung, bei der klar war, dass es nicht passt, lässt sich leichter abschließen. Eine, in der die Liebe echt war und es trotzdem nicht ging, bleibt eventuell offen. Und was offen bleibt, sucht sich eine Fortsetzung. Sollten deine Beziehungen laufend scheitern, dann stell dir die Frage ob es in deiner Vergangenheit noch etwas "Offenes" gibt.


Die Biochemie von Trauma: Wenn Frieden sich bedrohlich anfühlt


Weiße Taube fliegt über ausgestreckter Hand vor wolkigem Himmel, schwarzweiß, friedliche Stimmung.

Aidan war für Carrie ungewöhnlich – nicht, weil er etwas falsch gemacht hätte, sondern weil in einer sicheren Beziehung die gewohnte Panik fehlt, die das Nervensystem irrtümlich für „große Leidenschaft" hält.

Wer in der Kindheit oder in früheren Partnerschaften chronischem Stress, Unberechenbarkeit oder emotionaler Distanz ausgesetzt war, dessen System lernt eine fatale Formel: Liebe = Dauer-Alarm.

Was du kennst, hält dein Nervensystem für sicher — auch wenn es wehtut. Ein chaotischer Zustand ist nicht angenehm. Aber er ist bekanntes Terrain. Ruhe fühlt sich falsch an. Ein friedlicher, konflikt-freier Alltag wirkt auf ein überlastetes System nicht entspannend, sondern bedrohlich, quälend leer oder „langweilig".

Dein Gehirn sucht unbewusst nach dem vertrauten Adrenalinkick. Drama funktioniert hier wie eine chemische Droge: Es liefert dem Körper exakt die Stresshormone, an die er gewöhnt ist.


Der Wiederholungszwang: Warum wir das Drama in unserer Beziehung reinszenieren


In der Psychologie spricht man von der unbewussten Reinszenierung.

Deine Psyche versucht insgeheim, die alte, ungelöste Wunde in der Gegenwart noch einmal zu durchleben. Dahinter steht die kindliche Hoffnung: „Diesmal kämpfe ich so lange, bis die Geschichte gut ausgeht. Diesmal bringe ich mein Gegenüber dazu, mich endlich bedingungslos zu wählen."

Statt echter Verbindung landen wir mitten im Drama-Dreieck nach Stephen Karpman. Es hat drei Rollen, und wir wechseln zwischen ihnen hin und her:

Opfer: „Warum gerate ich immer an die Falschen? Warum tut man mir das an?"

Verfolgerin: Wir schlagen aus der Kränkung heraus um und schleudern unserem Gegenüber bittere Vorwürfe an den Kopf.

Retterin: Wir fangen an, den Partner zu analysieren und zu therapieren, um uns über die Kontrolle seiner Probleme selbst Sicherheit zu verschaffen. Warum gerade diese Rolle so verführerisch ist und was sie mit einer Beziehung macht, habe ich in meinem letzten Beitrag ausführlich beschrieben:

Dein Partner zieht sich zurück? Warum Therapieren in der Beziehung nicht deine Aufgabe ist. Diese Dynamik fühlt sich extrem intensiv und lebendig an. In Wahrheit hält es aber nur die alte Wunden sperrangelweit offen.


Eckhart Tolle und der Schmerzkörper: Der Köder liegt oft in den eigenen Gedanken


Nachdenkliche Frau am Fenster, neben ihr an der Wand ein dunkler, auflösender Schatten ihrer Silhouette.

Eckhart Tolle beschreibt diese Dynamik mit einem treffenden Begriff: der Schmerzkörper.

In jedem Menschen, der alte seelische Narben in sich trägt, schlummert diese Ansammlung unaufgearbeiteter Schmerzen. Und dieser Schmerzkörper will überleben. Seine Nahrung? Groll, Anklage, Kopfkino und Beziehungsdrama. Von Stille oder Harmonie kann er sich nicht ernähren, da würde er verhungern. Sobald es zwischen euch ruhig wird, fängt er an zu tissern. Er wirft dir Test-Gedanken hin:

„Er hat sich seit zwei Stunden nicht gemeldet – du bist ihm völlig egal."

„Schau, wie abwesend er schaut. Er ist zwar hier aber ignoriert dich."

Schnappst du nach diesem Köder, passiert die Identifikation. Du nimmst den Schmerz nicht mehr nur wahr – du bist der Schmerzkörper. Du verschmilzt komplett mit der Geschichte, in der der andere böse ist und dir unrecht getan hat.


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Der Schritt Aus dem Drama: Die Beobachter-Methode


Du kannst den Schmerzkörper nicht besiegen, indem du gegen ihn ankämpfst oder die Geschichte im Kopf endlos weiterdrehst. Jedes mentale Zerpflücken gibt ihm nur mehr Futter. Die Entlastung beginnt in dem Moment, in dem du Beobachter:in des Ganzen wirst.


1. Aus der Verschmelzung aussteigen

Solange du sagst: „Ich bin so verletzt" oder „Ich bin so wütend", bist du mitten im Drama gefangen.

Die Weiche lautet: Ah ja ich spüre und sehe:

👉 „Etwas in mir will gerade das alte Drama füttern."

👉 „Etwas in mir schnappt gerade gierig nach der Opfer-Rolle."

Durch diesen Perspektivenwechsel entsteht schlagartig ein innerer Abstand. Du bist nicht mehr das Drama, sondern die Instanz, die beobachtet, wie ein altes Muster anspringt. Diesen Perspektivenwechsel kannst du üben und verinnerlichen. Ich zeige dir gerne wie.


2. Die Hitzewelle im Körper verrauchen lassen


Reagiere nicht aus dem ersten Schmerzimpuls heraus. Wenn der Schmerzkörper getriggert wird, spürst du ihn im Körper: Enge im Hals, Brennen im Bauch, Druck auf der Brust.

Lass die Anklage im Kopf fallen, geh ein paar Schritte und halte dieses Gefühl in deinem Körper aus. Lass die Wut und das Adrenalin erst verrauchen.

Das heißt natürlich nicht, dass du es für dich behalten sollst. Was dich stört, darf gesagt werden – nur eben später, wenn du wieder bei dir bist. Aus dem Impuls heraus sprichst du nämlich nicht für dich, sondern für das alte Muster.


3. Pendeln, statt im Gefühl zu bleiben


Bleib kurz bei der Empfindung. Und geh dann bewusst zu etwas Stabilem: deinen Füßen am Boden, dem Gewicht deines Körpers auf dem Stuhl, deiner Hand am Herzen. Und wieder zurück zur Empfindung. Mehrmals hin und her.

Dein Nervensystem reguliert sich über dieses Erleben, nicht über das Nachdenken darüber. Ein Schmerzkörper, den du bewusst bezeugst und spürst, ohne ihm mit Drama Recht zu geben, verliert mit jedem Mal mehr an Macht.


Echter Beziehungsfrieden braucht Mut


Paar umarmt und küsst sich vor hellem Himmel am Meer, die Frau in Schwarz, der Mann mit Bart; zärtliche Stimmung.

Es erfordert Mut, die Stille auszuhalten und nicht der nächsten Reinszenierung hinterherzurennen. Es fühlt sich für dein System zunächst ungewohnt an, wenn Liebe plötzlich verlässlich, klar und unspektakulär friedlich ist.

Ich musste das selbst auch erst wieder lernen. Die Ruhe kann sich zu Beginn ungewohnt anfühlen.

Und es geht auch nicht darum, dass das alte Muster von heute auf morgen verschwindet. Es geht darum, dass du es erkennst, während es anspringt. Das allein reicht schon, um nicht mehr automatisch mitzugehen. Und genau dort beginnt echte Nähe.


Wenn es mehr braucht als einen Blogbeitrag


Ein Satz, der hier dazugehört: Alles, was ich hier beschreibe, ist Selbstwahrnehmung und Beobachtung aus meinen psychosozialen Beratungen – keine Traumatherapie.

Wenn alte Erfahrungen dich überrollen, wenn Bilder oder Körperempfindungen auftauchen, die du nicht steuern kannst, oder wenn du merkst, dass dich das Hinspüren eher wegreißt als erdet, dann gehört das in professionelle traumatherapeutische Begleitung. Bitte hol dir passende Hilfe wenn nötig.


Drei Wege, die ich dir anbieten kann

Vielleicht hast du dich beim Lesen an einer Stelle wiedererkannt. Dann stellt sich jetzt nur eine Frage: Wo stehst du gerade?

Brauchst du jemanden, der mit dir gemeinsam hinschaut? Ein Werkzeug für den Moment, in dem der Schmerzkörper anspringt? Oder willst du dem Muster selbst auf den Grund gehen, das sich immer wieder meldet? Für jede dieser drei Fragen gibt es bei mir einen eigenen Weg.


Gemütliche Ecke mit braunem Sessel, Holztisch, Kerzenlicht, Vase und gerahmtem Schild mit QR-Code vor hellen Jalousien.

1:1 Begleitung: dein geführter Focusing-Prozess


Wenn du nicht allein hinschauen möchtest. Ich führe dich durch deinen eigenen Focusing-Prozess: Ich deute nichts und erkläre dir nichts über dich. Ich gebe dir Anweisungen, tiefer hinzuspüren, und halte den Raum, während du deinen Anteilen zuhörst. Online über Zoom oder bei mir in der Praxis in Graz.

70 Min € 90,-



Mann auf Balkon mit weißer Tasse und Laptop, arbeitet entspannt vor Bergkulisse.

Der "kleine" Online-Kurs: Die Beobachter-Methode


Für den Moment, in dem der Schmerzkörper anspringt. Erklär-Video (8 Min.), Übungs-Meditation (12 Min.), Notfall-Audio (3 Min.) für die akute Welle, Praxis-Anleitung und das Worksheet „Mein Beobachter-Kompass". Du übst in der Ruhe, damit du es im Sturm abrufen kannst.

Rabatt Code: MOMENT30

€ 49,- statt € 79,-


Frau mit weißen Kopfhörern blickt lächelnd auf den Laptop in einem warm beleuchteten Zimmer.

Der "große" Online-Kurs für deine nachhaltige Veränderung


Für das Muster darunter. Fünf Module mit Audios, PDFs und geführten Meditationen: die Muster-Inventur, deine inneren Anteile, der Weg vom Denken ins Spüren und der Buddha-Raum, in dem alles da sein darf. Mein Buch bekommst du als Gratis-Download dazu.


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