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Martina Sailer LOGO Cranio Sacral Therapie & Psychosoziale Beratung

Wenn das Universum dich ausbremst – und wo die Grenze zur "toxischen Positivität" liegt

Aktualisiert: 16. Juli

Schlafende Frau in weißem Pullover und Leggings liegt auf einem Bett mit Kissen in hellem Schlafzimmer.

Ich liege im Bett. Die Nase läuft, der Hals kratzt – ich bin verkühlt. Als selbstständige Therapeutin bedeutet das erst einmal eins: absoluter Stillstand. Keine Patienten in der Praxis, keine Behandlungen, kein Einkommen. In meinem Kopf springt sofort der altbekannte Film an: Das große Existenzangst-Kopfkino. Der Stress schießt mir ins Nervensystem.


Doch genau in dieser lähmenden Unruhe hatte ich plötzlich eine „alte“ Erkenntnis. Ein radikaler Perspektivenwechsel. Ich erkannte: Ich kann zwar gerade nicht körperlich in der Praxis arbeiten, aber ich habe dadurch genau das geschenkt bekommen, wonach ich mich seit Wochen sehtne: Zeit. Zeit und Raum, um mich endlich wieder um mein Online-Business zu kümmern.


In mir breitete sich ein Gamechanger-Satz aus: Alles ist immer für mich da. Das Universum ist nicht gegen mich.

Dieser Satz hat meine gesamte Energie im Bett verändert. Aus dem Widerstand wurde Annahme. Aus der Angst wurde Kreativität. Aber während ich so dalag, begann ich weiterzudenken. Und als Begleiterin, die täglich mit den körperlichen und seelischen Wunden von Menschen arbeitet, kam in mir eine tiefere, kritische Frage auf: Gilt dieser Satz eigentlich immer?


Die dunkle Seite der Spiritualität: Was ist mit Extremen?


Was ist, wenn sich jemand in einer gewalttätigen Beziehung befindet? Was ist, wenn einem Menschen körperliches oder seelisches Unrecht angetan wird? Kann man dann auch noch sagen: „Das ist für dich da“ oder „Das Universum hat sich etwas dabei gedacht“?


Die ganz klare Antwort lautet: Nein. Absolut nicht.


Giftwarnschild mit Totenkopf und Knochen auf weißem, schmutzigem Hintergrund, Text TOXIC.

In der modernen Psychologie und Spiritualität gibt es für dieses Phänomen einen sehr wichtigen Begriff: Toxische Positiviät(oder auch Spiritual Bypassing). Das bedeutet, dass man versucht, reales Leid, Trauma und Ungerechtigkeit mit spirituellen Phrasen schönzureden.


In meiner Praxis als Cranio Sacral Therapeutin erlebe ich das sehr häufig. Ich begleite immer wieder Klientinnen und Klienten, die sich aufgrund von Traumata in psychologischer Behandlung befinden und die ich auf körperlicher Ebene mit der Cranio-Sacral-Therapie dabei unterstütze, ihr traumatisiertes Nervensystem wieder in die Regulation zu bringen. Genau aus dieser Arbeit weiß ich: Wenn wir einem Menschen, der tiefes Unrecht oder Missbrauch erfährt, sagen, dass „alles aus einem bestimmten Grund passiert“, ist das nicht nur falsch, sondern hochgradig gefährlich.


Es ist eine Form der Manipulation, die das Opfer mundtot macht und den Täter entschuldigt. Gewalt, Missbrauch und Grenzüberschreitungen sind niemals „für uns da“. Sie sind Unrecht. Punkt. Ein Täter handelt nicht als „Erfüllungsgehilfe des Universums“, um uns eine spirituelle Lektion zu erteilen.


Hat dich das berührt? Einmal die Woche, immer mittwochs, ein stiller Moment für dich.



Nervensystem regulieren: Der Unterschied zwischen Blockade und Bedrohung


Um nicht in die Falle der toxischen Positivität zu tappen, müssen wir lernen, ganz sauber zwischen zwei Zuständen unseres Nervensystems zu unterscheiden:


  • Die Blockade (Mein Krankenstand): Mein Leben ist nicht bedroht. Mein Körper braucht einfach Ruhe, und mein Verstand rebelliert dagegen. Hier ist der Satz „Alles ist für mich“ ein Hebel, um aus dem Ego-Kopfkino auszusteigen und die versteckte Möglichkeit (die Zeit für mein Online-Business) zu erkennen. Es ist eine liebevolle, kosmische Umleitung.

  • Die Bedrohung (Gewalt und Trauma): Hier befindet sich das Nervensystem im echten Überlebensmodus (Kampf, Flucht oder Erstarrung). In diesem Zustand gibt es keinen philosophischen Sinn zu suchen. Hier hilft kein „positives Denken“. Hier hilft nur eins: Grenzen setzen, den Schutzraum suchen, aufwachen und sich Hilfe holen.


Posttraumatisches Wachstum: Wann Sinnstiftung wirklich heilsam ist


Frau meditiert mit geschlossenen Augen am Strand, Hände vor der Brust, Meer und heller Himmel im Hintergrund.

Bedeutet das, dass wir aus schlimmen Erfahrungen nichts lernen können? Doch, wir können. Aber der Unterschied liegt im Zeitpunkt und in der Perspektive.


Die Ressourcen, die du in dir aktivieren musstest, um aus dieser Situation herauszugehen – deine unbändige Löwenkraft, deine klare Grenze, dein purer Überlebenswille –, die waren und sind für dich da. Das Ereignis war ein grausamer Katalysator, der dich gezwungen hat, eine Stärke in dir zu finden, von der du vorher vielleicht nie geahnt hättest, dass du sie besitzt.

Das nennt man in der Psychologie „posttraumatisches Wachstum“. Aber dieser Sinn zeigt sich niemals mitten in der Krise, sondern oft erst Jahre später, nach intensiver, liebevoller Aufarbeitung.


Zurück auf die Couch: Eine Frage für dein Nervensystem


Lächelnde Frau sitzt auf dem Sofa, tippt am Smartphone; Laptop daneben, helle Wohnung mit Betonwand im Hintergrund.

Wenn du das nächste Mal merkst, dass das Leben dir scheinbar den Stecker zieht – sei es durch eine Verkühlung, einen abgesagten Termin oder eine unerwartete Planänderung –, frage dich kurz: Bin ich gerade bedroht oder werde ich nur umgeleitet?


Wenn du spürst, dass eine echte Bedrohung vorliegt, dann suche dir Schutz, setze klare und harte Grenzen und hole dir Hilfe! Du bist es wert!


Wenn du aber merkst, dass du in Sicherheit bist, erlaube dir, dich weich in das Vertrauen hineinzulehnen. Atme tief durch und sag dir: „Das Universum ist nicht gegen mich. Alles ist für mich. Welcher Raum öffnet sich hier gerade, den ich vorher nicht sehen konnte?“


Ich nutzte meine Couch-Zeit jedenfalls für meine „Gedankenräume“ und schrieb einige Beiträge, gleichzeitig konnte ich wahrnehmen wie mein Nervensystem sich entspannte und die Arbeit am Laptop Freude machte.


Alles Liebe und bleib ganz bei dir, Deine Martina


Möchtest du lernen, dein Nervensystem auch im Alltag zu begleiten und tiefe Erleichterung zu finden? Du musst diesen Weg zu mehr Balance und innerer Sicherheit nicht alleine gehen. Um dich Schritt für Schritt dabei zu unterstützen, aus dem ständigen Kampf-Modus auszusteigen und die Intelligenz deines Körpers zu nutzen, habe ich verschiedene Begleiter für dich kreiert.


Egal, ob du nach schnellen Impulsen für den Akutfall suchst, tiefer in eine geführte Praxis einsteigen möchtest oder ein Buch suchst, das dich auf deiner Reise der Heilung inspiriert – schau dich hier unten gerne um und finde genau das Angebot, das jetzt am besten zu dir und deinem System passt:



Frau mit geschlossenen Augen im Sonnenlicht vor unscharfem tropischem Grün, ruhig und entspannt.

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Person meditiert neben einem Laptop auf dem Bett, Arm entspannt, warme Sonnenstimmung und eine Tasse im Vordergrund.

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